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17. Oktober 2005Zoo
Das 100-Kilo-Ereignis

Zoo bereitet sich auf die Geburt des dritten Elefantenbabys vor.

Große Ereignisse werfen ihre Schatten voraus. In diesem Fall ist es ein Hundert Kilo schweres Ereignis, um genau zu sein! Nach 20 Monaten Tragzeit nähert sich langsam das Ende der zweiten Schwangerschaft von Elefantendame Khaing Hnin Hnin. Irgendwann im November ist es soweit. Wann genau der Geburtstermin sein wird, weiß nicht einmal die Mutter selbst. Daher wird Khaing Hnin Hnin jetzt besonders sorgsam überwacht und untersucht.

Einmal in der Woche nimmt Zootierarzt Dr. Andreas Knieriem Blutproben von Khaing Hnin Hnin. Darin lässt sich der Hormonspiegel der Elefantenkuh sehr gut ablesen. Für diese Prozedur legt sich die werdende Mutter auf die Seite, damit ihr Ohr platt am Boden liegt. Dann wird mit einer feinen Nadel aus den stark durchbluteten und gut sichtbaren Adern im Ohr Blut abgenommen. Das Blut wird in der Zoo-Tierarztpraxis vorbehandelt und an die Tierärztliche Hochschule geschickt, wo es schließlich analysiert wird. Der Hormonspiegel wird in Form einer bunten Kurve an den Zoo zurück geschickt. Sinkt der Hormonspiegel unter einen bestimmten Wert, steht die Geburt kurz bevor. Bislang verläuft alles bestens, Anzeichen einer nahenden Niederkunft gibt es noch nicht – dennoch bereiten sich die Elefantenpfleger und die beiden Tierärzte des Zoos schon jetzt auf die Geburt vor.

Sie studieren Videoaufnahmen von Elefantengeburten und Geburtsprotokolle anderer Zoos, sprechen mit erfahrenen Elefantenpflegern, gehen die möglichen Phasen einer Geburt durch, legen fest, wer was zu tun hat. Auch die medizinischen Hilfsmittel sind bereits vor Ort und werden ständig überprüft. Ein Sauerstoffgerät liegt in Griffweite, sollte das Kleine nicht atmen, Milch wurde bestellt, falls die Mutter ihr Kind nicht annimmt. Ein Milchwärmer steht bereit.

Die Pfleger gehen viel mit Khaing Hnin Hnin spazieren, damit sie fit ist, außerdem wird sie daran gewöhnt, nachts mit ihrer Tochter Farina in einem eigenen Apartment im Stall zu schlafen. Dieser abgetrennte Bereich ist der Geburtsstall. Hier kann Khaing Hnin Hnin die Herde sehen, hören und riechen, ist aber dennoch nicht von den anderen Damen umringt.

In der freien Wildbahn wird die Elefantenkuh bei der Geburt von Elefanten-Ammen betreut. Diese erfahrenen Elefantenkühe beruhigen die niederkommende Kuh und nehmen das Neugeborene in ihre Obhut. Die große Gefahr bei einer Elefantengeburt geht nämlich von der frischgebackenen Mutter aus: Oftmals geht sie auf ihr eigenes Kind los, das ihr soviel Schmerzen bereitet hat. Manchmal tötet die Mutter bei diesen Attacken ihr Kind. Die Ammen beschützen das Kleine daher vor seiner Mutter, bis sie sich beruhigt und begriffen hat, was ihr passiert ist. Im Erlebnis-Zoo übernehmen die Pfleger die Rolle der Ammen. Sie werden das Neugeborene gleich nach der Geburt aus der Reichweite der Mutter bringen, es untersuchen, ihm auf die Beine helfen und warten, bis Khaing Hnin Hnin sich beruhigt hat. Vorsichtig werden Mutter und Kind dann aneinander gewöhnt.

Alles ist vorbereitet. Jetzt heißt es nur noch Warten und Daumendrücken, dass die Geburt komplikationslos verläuft!

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