14. Mai 2010Dschungelpalast
Im Erlebnis-Zoo Hannover purzeln die Elefantenbabys auf die Welt.
Am 7. Mai brachte Sayang eine Tochter zur Welt, nur vier Tage später, am 11. Mai, wurde der Sohn von Farina geboren. Beide Babys sind gesund und wohlauf, beide Mütter kümmern sich vorbildlich um ihren Nachwuchs und haben sich längst von der Geburt erholt. Das Zooteam dagegen noch nicht so ganz. Mit dem zweiten Baby hatte das Team noch nicht gerechnet – Farina sorgte für eine 89 kg schwere
und 88 cm große Überraschung.
Als Elefantenpfleger Jürgen Kruse morgens am 11. Mai den Elefantenstall betrat, tröteten ihm alle Elefanten aufgeregt entgegen. Neben Sayang stand putzmunter ein Elefantenbaby. Neben Farina auch. Ein kleiner Bulle, der eigentlich noch gar nicht da sein konnte.
Sofort wurde das gesamte Geburtsteam in den Stall gerufen. Tierärzte, Tierpfleger, Zoologen und Zoodirektor standen sprachlos vor der jungen Mutter. „Der Stein, der uns in dem Augenblick vom Herzen fiel, hatte ungefähr Himalayagröße“, fasst Zoodirektor Klaus-Michael Machens den Moment zusammen. Farina hatte ihr Baby ganz allein in der Nacht zur Welt gebracht und alles ist gut gegangen. „Wir haben wirklich Glück gehabt!“
Nichts hatte auf die Geburt hingedeutet. Die am 10. Mai gemessenen Progesteronwerte im Blut von Farina lagen bei knapp 0,9 – normalerweise geht man ab 0,4 von einer nahenden Geburt aus. Auch die Elefantenkuh selbst hatte keinerlei Anzeichen von Unruhe oder Wehen gezeigt. Beruhigt war das Geburtsteam nach Hause gefahren, um nach vier Wochen Nachtwache bei Sayang noch einmal auszuschlafen, bevor am nächsten Tag die Nachtwache bei Farina beginnen sollte.
Genau wie Sayang war Farina eine Erstgebärende, die von den Tierpflegern während der Geburt betreut werden sollte. Die Gefahr besteht, dass eine Erstgebärende aus Unerfahrenheit ihr eigenes Baby angreift, das ihr soviel Schmerzen bereitet hat. In freier Wildbahn wird das Baby daher von anderen Elefantenkühen beschützt, bis die Mutter sich beruhigt hat und begreift, was ihr passiert ist. „Unser langfristiges Ziel ist es daher auch, die Kühe in der Elefantenherde gebären zu lassen – aber dazu müssen alle Herdenmitglieder wissen, was zu tun ist“, erklärt Dr. Heiner Engel, Zoologischer Leiter. „Bislang hatten wir nur zwei Kühe, die bereits ein Kind zur Welt gebracht haben. Vielleicht ist die Herde jetzt schon weiter als gedacht.“
Genau dieses „vielleicht“ und alle darin liegenden Risiken wird das Zooteam in den nächsten Wochen in Ruhe besprechen. Juli/August werden die nächsten beiden Elefantenbabys erwartet. „Sicher ist jedenfalls, dass wir uns auf die Hormonwerte nicht verlassen können“, schmunzelt Tierärztin Dr. Maya Kummrow.
Wann immer es die für Mai sehr kühle Wetterlage zulässt, werden die Elefantenbabys ab jetzt Ausflüge in den Dschungelpalast machen.
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