28. Dezember 2004Zoo
Paulchen ist klein und pummelig und sieht ein bisschen aus wie ein Frottee-Waschlappen auf Schwimmflossen. Der zierliche Kopf mit den schwarzen Knopfaugen mag irgendwie nicht recht zum Rest des Körpers passen und die kleinen Arm-Stummelchen an den Seiten des aufgeplusterten Federflaums tragen auch nicht gerade zum Bild eines eleganten Schwimmers bei. Aber so sehen sie nun mal aus, die Küken der Brillen-Pinguine. Und so wie sie aussehen, sind sie die absoluten Herzensbrecher.
Paulchen jedenfalls hat die Herzen des Zooteams erobert, seit er am 9. November aus dem Ei in der Brutmaschine geschlüpft ist. "Geschlüpft" ist übertrieben, denn tatsächlich mussten die Tierpfleger den Winzling mit einer Pinzette aus dem Ei pulen. Tierpfleger Fred Seifert hat die Rolle der Eltern übernommen, denn die Pinguine kümmerten sich nicht um ihre Eier. Sie ließen sie einfach unbewacht und unbebrütet in der alten Anlage liegen. Also kamen vier Eier in die Brutmaschine und 38 Tage später schlüpften die Kleinen. Und weil die Küken nicht nur tagsüber kräftig Hunger haben, ging Fred Seifert sogar nachts zu seinen Zöglingen, um sie mit köstlichem Fischbrei zu füttern.
Die Küken wogen bei der Geburt zwischen 60 und 70 Gramm. Paulchen schlüpfte zuletzt und war mit Abstand der Kleinste. Die Pfleger und Zoo-Tierärzte aus Hannover holten sich Anregungen aus anderen Zoos, wie die Handaufzucht von Pinguinen am besten funktioniert – alles muss gelernt sein, auch die richtige Rezeptur für Pinguin-Küken-Brei, die beste Ausstattung für das Ersatz-Nest (eine große Plastikwanne unter der Wärmelampe, an der ein Schnuller zum Spielen baumelt) oder die Futterzeiten!
Und dann sah es plötzlich – trotz aller Pflege – gar nicht mehr gut aus um die Kleinen: nur Paulchen kam durch! Bis heute ist nicht geklärt, woran Paulchens Geschwister gestorben sind. Sicher ist dagegen, dass die Sorge um Paulchen stetig wuchs. Kurz vor Weihnachten nahm das Küken plötzlich ab, der Fisch wollte ihm nicht richtig schmecken.
Gutes Zureden und viel Aufmerksamkeit (und Kuscheln) vom Ersatzvater haben geholfen: Jetzt wiegt Paulchen stolze Kilo zwei Pfleger und hat es scheint’s geschafft.


