Elefantenhaltung und Beschäftigungstraining

Im Zoo Hannover werden die Asiatischen Elefanten im "direkten Kontakt" gehalten. Die Tierpfleger bewegen sich dabei in der Herde und können direkt mit den Tieren arbeiten, zum Beispiel bei der Fußpflege, der veterinärmedizinischen Versorgung ohne gefährliche Narkose, Zahnkontrolle, der täglichen Pflege, bei der Betreuung vor, während und nach der Geburt, beim Transport oder der Integration neuer Herdenmitglieder. Der direkte Kontakt erleichtert den pflegerischen Umgang mit den Tieren, ist aber nicht ungefährlich – die Elefantenpfleger müssen sich gegenüber den bis zu 3,5 Tonnen schweren Tieren behaupten können.

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Für der Fußpflege heben die Elefanten auf das Kommando "lift" ihre Füße an, damit der Tierpfleger sie untersuchen und die Nägel pflegen kann.
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Morgendliche Routine: Jeder Elefant wird gewaschen und geschrubbt. Auf das "lay down" des Tierpflegers legen sich die Tiere auf die Seite.

Der direkte Kontakt setzt daher ein großes gegenseitiges Vertrauen, gewohnte Routine und regelmäßiges Training voraus. Jeden Morgen werden unsere Elefantenkühe zunächst jeweils rund 20 Minuten gepflegt: mit Bürstenmassagen, warmem Wasserstrahl und einer Belohnung in Form von Elefantenmüsli. Sind die Elefanten wieder trocken, geht es auf die Außenanlage, wo sich die frisch geduschten Tiere zur weiteren Körperpflege mit Hilfe ihres Rüssels mit Sand bewerfen.

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Abschluss der Morgenpflege: Die hochtragende Sayang genießt die massierende Dusche mit warmen Wasser, danach gibt es ein Elefantenmüsli.
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Gut durchgetrocknet, geht es dann auf Außenanlage, wo sich die Elefanten zur weiteren Hautpflege mit Sand bewerfen.

In den Tagesablauf werden zu unregelmäßigen Zeiten Trainingseinheiten integriert: Über 16 Kommandos lernen die Elefanten, damit sie bestmöglich versorgt werden können. Die verbalen Kommandos reichen von „come here“ (komm hierher) über „lay down“ (auf die Seite legen), „rangu“ (Rüssel heben) bis „lift“ (Fuß heben). Auf diese Weise kann der Tierarzt jede Körperstelle untersuchen. Nicht zuletzt durch dieses intensive Training war es möglich, den Backenzahn von Leitkuh Indra im September 2015 ohne die für Elefanten so gefährliche Narkose zu behandeln.

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Zahnbehandlung ohne eine gefährliche Narkose ist dank des täglichen Trainings möglich. Bei Indra musste z.B. der hintere Zahn gekürzt werden.
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Geburtsvorbereitung: Die Tierärzte können mit Hilfe der Ultraschalluntersuchung sehen, ob sich der Muttermund bereits geöffnet hat.

Durch das tägliche Training werden die Tiere zudem beschäftigt und gefordert. Denn wesentlich für das Wohlergehen der Elefanten ist nicht nur die Gehegestruktur mit verschiedenen Böden, Sandbad und Badebecken, sondern ein stabiles soziales Umfeld und abwechslungsreiche Beschäftigung. Gerade Beschäftigung ist eines der wichtigsten Elemente der modernen, tiergerechten Zootierhaltung. Über die Kommandos zur Pflege hinaus, werden besonders die Jungtiere mit weiteren Trainingseinheiten beschäftigt und gefordert, die ihren Spieltrieb und ihre Geschicklichkeit aufgreifen: Zum Beispiel Balancieren und Aufreiten.

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Spieltrieb und Geschicklichkeit: Sitara balanciert auf einem Futterball - ohne Beisein eines Tierpflegers. Im Training wird die Balance auf einem breiten Balken geübt. Fotografiert von Besucherin A. Tondar
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Beim Toben stellen die Elefanten die Vorderfüße auf den Rücken des anderen, auch Aufreiten genannt. Im Training wird die Übung nachgemacht.

Das Training der Elefanten findet in unregelmäßigen Abständen über den Tag verteilt statt, während die Elefanten sich auf der großen Außenanlage befinden. Es dient nicht zu „Showzwecken“ oder der Unterhaltung der Besucher. Es wird daher nicht angekündigt und weder beworben noch kommentiert.

Regelmäßige Elefanten-Shows für die Zoobesucher, mit Musik, Moderation und festem Ablauf, wie sie früher tatsächlich noch üblich waren, gibt es im Zoo Hannover seit 2013 nicht mehr.

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Trainingseinheit für Balance und Fitness: Passgang auf dem Baumstamm mit anschließendem Zweibeinstand.
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Bewegungsablauf: Schneller Passgang beim Rennen über die Anlage.

Eine unserer wichtigsten Aufgaben ist es aber, unsere Besucher für die Tiere zu begeistern und für die Probleme z.B. in Bezug auf den Lebensraum zu sensibilisieren. Daher stellen die Tierpfleger die Herde bei einer täglichen kommentierten Fütterung um 12 und 15.30 Uhr vor, berichten über die Biologie, das Sozialverhalten und Ökologie der Tiere sowie ihre Bedrohung in freier Wildbahn. Ein Informationscenter im Dschungelpalast geht weiterführend auf die Situation der Elefanten in freier Wildbahn ein und zeigt die Arbeit des Biodiversity and Elephant Conservation Trust auf Sri Lanka, der von uns bei seiner Arbeit vor Ort unterstützt wird.

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Reihenfolge: Jeder Elefant hat seinen festen Platz. Beim Gang auf die Anlage hält jeder den Schwanz des vorangehenden Tieres mit dem Rüssel fest. So sind die Tierpfleger sicher, dass kein Elefant von hinten plötzlich überholt und sie umrennt.
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"Lift": Über 16 Kommandos lernen die Elefanten für die tägliche Pflege. Für die Fußpflege heben sie den Fuß an, der Rüssel liegt an der Stirn - damit der Pfleger gefahrlos am Fuß arbeiten kann.

Im Zoo Hannover lebt zurzeit eine Herde von 11 Elefanten nebst dem Bullen im Nachbargehege, mittlerweile in drei Generationen. Seit 2003 kamen 17 Jungtiere im Erlebnis-Zoo zur Welt. Jeder Besucher kann sich von der guten Sozialstruktur der Herde und dem entspannten Verhältnis zu den Tierpflegern bei einem Besuch selbst überzeugen.

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Die Elefantenherde in Hannover besteht aus drei Generationen, die in einem intakten Sozialverband lebt. Bei der täglichen Fütterung wird die Herde von den Tierpflegern vorgestellt.
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17 Elefantenkälber kamen seit 2003 in Hannover gesund auf die Welt. Der Zoo trägt damit zum Erhalt der Art bei - unterstützt aber auch in freier Wildbahn Projekte finanziell zum Elefantenschutz.