Bedrohte Haustiere !?!

Viele wildlebende Tier- und Pflanzenarten sind gefährdet; beispielsweise durch Zerstörung von Lebensräumen, Ausbreitung industrieller Landwirtschaft oder Wilderei. Aber auch zahlreiche vom Menschen über Generationen hinweg gehaltene und gezüchtete Haustierrassen sind in ihren Beständen bedroht – auch in Deutschland!

Vom Allroundtalent zum Hochleistungstier

Das klingt zunächst unlogisch, denn schließlich sind Haustiere nicht auf einen bestimmten Lebensraum angewiesen wie andere bedrohte Tierarten. Sie können auf jedem Bauernhof gut leben. Der klassische Bauernhof muss aber immer häufiger modernen landwirtschaftlichen Industriebetrieben weichen. Leistungswettbewerb und Preiskampf verlangen mehr und mehr die Haltung hochspezialisierter Nutztierrassen. Manche liefern große Mengen Fleisch, sind also ungeheuer massig gebaut, andere wiederum haben riesige Euter und geben große Mengen Milch. Die moderne Leistungszucht birgt die Gefahr in Sackgassen zu enden, da die vielfältigen Eigenschaften alter Rassen zunehmends verloren gehen.

Früher waren Haustiere als landwirtschaftliche Allrounder gefragt. Rinder waren Milchquelle und Zugtiere, gleichsam aber auch Fleisch- und Lederlieferant. Tiere waren zu wertvoll, um sie nur auf einem Wege zu nutzen. Die Vielfalt dieser alten Nutztierrassen beruht auf regionalen Gegebenheiten – Anpassung an bestimmte klimatische Bedingungen oder Art und Qualität der hiesigen Futterpflanzen. Sie prägten ihre Verbreitungsgebiete über Generationen hinweg, sind bei den Bauern aus wirtschaftlichen Beweggründen heute aber kaum noch gefragt.

Gesellschaft zur Erhaltung alter und gefährdeter Haustierrassen

Informieren Sie sich:

GEH 

Seit 1981 bemüht sich die die Gesellschaft zur Erhaltung alter und gefährdeter Haustierrassen e.V. (GEH) um ein umfängliches Bestandmonitoring selten gewordener landwirtschaftlicher Nutztierrassen sowie um koordinierte Erhaltungsmaßnahmen. Die Aufgaben, denen sich die GEH stellt sind vielfältig; sie reichen von einer breiten Öffentlichkeitsarbeit und der Förderung von Qualitätsprodukten gefährdetere Rassen, über das Führen von Zuchtbüchern und die Koordination von Züchtern, bis hin zur aktiven Rassenerhaltung durch die Organisation genetischer Reserven.

Die enge Zusammenarbeit mit Haltern alter Haustierrassen sowie Engagierten und Interessierten aus Bereichen der Agrarwirtschaft, Biologie und Tiermedizin spielt dabei ebenso eine tragende Rolle wie die stetige Kommunikation mit Zuchtorganisationen, Naturschutzverbänden und Behörden auf nationaler und internationaler Ebene.

Viel zu tun also, für eine private Vereinigung von Tierhaltern, Züchtern und Interessierten, denen auch besonders die vierbeinigen oder geflügelten Kulturgüter ihrer Heimat am Herzen liegen.

Mit jeder verlorenen Rasse geht auch ein wertvolles genetisches Potential verloren, ein unwiederbringlicher Verlust von Kulturgut, eine Verarmung des Landschaftsbildes.

Die Rote Liste der gefährdeten Nutztierrassen

Jedes Jahr veröffentlich die GEH eine Rote Liste, die über den Gefährdungsgrad landwirtschaftlicher Nutztierrassen in Deutschland informiert. Sie dient als Instrumentarium für die Koordination von Erhaltungsbemühungen um die in Deutschland (noch) existierenden alten Nutztierrassen.

Maßgeblicher Faktor zur Einstufung ist der aktuelle Tierbestand einer Rasse. Aber auch die Anzahl der Züchter, Bestandsentwicklung, Reinzuchtgrad, Nachzuchtrate und Generationsintervalle fließen in die Beurteilung der Rassengefährdung mit ein, ebenso aktuelle Informationen zur staatlichen Förderung. In diesem Zusammenhang bemüht sich die GEH die Einstufung der unterschiedlichen Rassen so transparent wie möglich zu gestalten. Nur so kann jedermann nachvollziehen, wie bestimmte Rassen zur ihrer Gefährdungseinstufung gekommen sind, andere wiederum gar nicht auf der Roten Liste auftauchen. Am Ende eines detaillierten Einstufungsverfahrens werden die Rassen einer von fünf Kategorien zugeordnet:

I – extrem gefährdet
II – stark gefährdet
III – gefährdet
Vorwarnstufe
Rassen aus anderen Ländern

Gefährdete Nutztierrasse des Jahres

Um darauf aufmerksam zu machen, dass neben der Diversität von Wildtieren und Wildpflanzen auch die landwirtschaftliche Artenvielfalt zusehends Verluste einstecken muss, benennt die GEH jedes Jahr die gefährdete Nutztierrasse des Jahres. Neugierig? Dann informieren Sie sich, welches Tier dieses Jahr im Fokus steht.

Wie beteiligt sich der Erlebnis-Zoo?

Hier werden verschiedene alte Haustierrassen gehalten: Exmoor-Pony, Altdeutsches schwarzbuntes Niederungsrind, Harzer Rothvieh, Thüringer Waldziege, Rauhwolliges pommersches Landschaf, Steinbacher Kampfgans, Deutsches Lachshuhn, Orpington, Ramelsloher und Deutscher Sperber.