Harzer Rotvieh

Bos taurus forma domestica

Das Harzer Rotvieh gehört zu den ältesten und ursprünglichsten Nutztierrassen. Besonders typisch für diese Rinderrasse aus Deutschland ist das durchgehend rot-braune Fell und die weit herabhängende Wamme. Die Allrounder stehen als "gefährdet" auf der Roten Liste der Gesellschaft zur Erhaltung alter und gefährdeter Haustierrassen.

Steckbrief

Lebensraum
Deutschland

Größe
130 bis 145 cm (Widerristhöhe)

Tragzeit
270 bis 300 Tage

Nahrung
Gras, Heu

Gewicht
550 kg (Kühe) bis 950 kg (Bullen)

Lebenserwartung
bis 20 Jahre in menschlicher Obhut

Da steht 'ne Kuh auf'm Flur!

Die ursprüngliche Viehhaltung in der Herkunftsregion des Harzer Rotviehs bestand größtenteils aus Kleinbauern und Bergleuten, welche nur vereinzelte Exemplare besaßen. Aufgrund geringen Lohnes konnten sich nur wenige Leute mehrere Rinder leisten. Innerhalb der kleinen Häuser war oft so wenig Platz, dass es keinen extra Stalleingang gab und die Kühe, um in den hinteren Teil des Hauses in den Stall zu gelangen, durch den Hausflur gehen mussten. Den Sommer über wurden die Tiere morgens auf und abends von der Weide getrieben von einem zuständigen Kuhhirten im Dorf eingesammelt. Dabei liefen sie morgens aus den Haustüren raus und abends wieder in ihr Zuhause von der Straße durch die Türen zurück.

Kau-Technik

Rinder haben eine sehr bewegliche Zunge, mit der sie das Gras abzupfen. Dazu strecken sie die Zunge seitlich aus dem Maul, umschlingen mit ihr einen Pflanzenbüschel und ziehen ihn ins Maul. Im Maul angekommen warten dann - nicht wie bei Pferden größe Mahlzähne im Ober und Unterkiefer - sondern eine Hornplatte am Gaumen und nur acht Zähne im Unterkiefer. Das Gras wird mit den Zähnen an der Hornplatte zerrieben und geschluckt.

Vier Mägen

Rinder sind Wiederkäuer, dafür besitzen sie vier Mägen. In Pansen, Netzmagen, Blättermagen und schließlich Labmagen durchläuft die Nahrung ihre Verdauungsstationen. Während wir Menschen unser Essen kauen und hinunterschlucken, kauen Kühe ihre Nahrung mehrmals wieder. Das passiert meist im Liegen. Der Mageninhalt gelangt dann durch Muskelbewegungen der Speiseröhre zurück in die Maulhöhle - und wird nochmals gekaut und verdaut. Innerhalb eines Tages kauen Kühe 10 bis 15 mal wieder, was ungefähr 30 Minuten pro Mahlzeit braucht. Wenn die Nahrung im Labmagen angekommen ist, wandert sie danach endgültig in den Darm und wird dann ausgeschieden.

Haus- und Nutztiere

Rinder wurden schon in der Frühzeit domestiziert und dienen dem Menschen seither als Haus- und Nutztier. Ihr Dung lässt Felder sprießen, ihre Kraft zog schwere Geräte, sie liefern Milch und Fleisch und es wurden Werkzeuge aus ihren Knochen und Hörnern hergestellt. Heutzutage, in der modernen Gesellschaft, werden Rinder zu Höchstleistungen gezüchtet und sollen - je nach Rasse - maximale Mengen an Milch oder Fleisch liefern.

 

Echte Raritäten

Mit dem Altdeutschen Schwarzbunten Niederrungsrind und dem Harzer Rotvieh zeigt der Erlebnis-Zoo Hannover echte Raritäten. Diese alten Rasse sind zwar robust und vielseitig, können aber in der modernen Viehwirtschaft mit spezialisierten Hochleistungsrassen nicht mehr mithalten. Aufgrund der nicht vorhandenen Wirtschaftlichkeit, im Vergleich zu den modernen Zuchtformen, gelten diese Rassen daher als gefährdet.