Storchennachwuchs hebt ab

Zoo-Jungvögel zur Auswilderung im NABU-Storchenkindergarten Leiferde

Sie sind startklar. Anfang Juli, kurz vor den ersten Flugversuchen, wurde der diesjährige Nachwuchs der Weißstörche Matibi und Adebar aus dem Erlebnis-Zoo Hannover in das NABU-Artenschutzzentrum in Leiferde bei Gifhorn gebracht – zur Auswilderung. Jetzt stehen die beiden Jungvögel kurz vor dem Abflug Richtung Süden. „Sie befinden sich meist auf dem Wiesengehege bei den anderen Weißstörchen, machen aber auch schon erste Ausflüge in die Umgebung. Im August werden sie uns höchstwahrscheinlich Richtung Süden verlassen“, so Zentrumsleiterin Bärbel Rogoschik.

1299x988-Storchenpaar-NABU-Leiferde
Die Jungvögel haben gerade den Storchenkindergarten verlassen. Foto: NABU/Bärbel Rogoschik

Die ersten Tage verbrachte das Geschwisterpaar im überdachten Storchenkindergarten des Artenschutzzentrums mit weiteren 19 Jungstörchen, die von den NABU-Mitarbeitern gepflegt werden. Nach kurzer Zeit machten sie die ersten Ausflüge, kamen zu den Fütterungen aber immer wieder zurück. Ihrem genetischen Programm und erfahrenen Störchen folgend, werden sie in Kürze nach Süden in ihr Winterquartier in Afrika fliegen.

In Deutschland wird der Weißstorch auf der Roten Liste der bedrohten Vögel als „gefährdet“ geführt. Durch die intensive Landwirtschaft, den Einsatz von Pestiziden und den Rückgang seines Lebensraums seit Anfang des 20. Jahrhunderts ist der Bestand stark zurückgegangen. Allein in Deutschland sank die Anzahl der Brutpaare von über 9.000 in den 1930er Jahren auf weniger als 3.000 Paare in 1988. Mittlerweile hat sich der Bestand wieder erholt: in Deutschland gibt es 4.500 Paare, weltweit 230.000. Aber die Bruterfolge reichten in vielen Regionen noch nicht, um die vielen Verluste wieder ausgleichen, so der WWF Deutschland.

985x1477-Storchennachwuchs-Erlebnis-Zoo
Der Storchennachwuchs im Erlebnis-Zoo Ende Juni.

Neben dem Verlust seines Lebensraums lauern viele weitere Gefahren auf die Störche: Jedes Jahr nimmt das Artenschutzzentrum Leiferde Störche auf, die gegen Stromleitungen und -masten geflogen sind und Stromschläge erlitten haben, mit Fahrzeugen kollidiert sind oder Fremdkörper verschluckt haben. Die Vögel werden gepflegt und aufgezogen und dann wieder ausgewildert. Bleiben die Vögel nach dem Unfall flugunfähig, werden sie an Einrichtungen vermittelt, die die Tiere dauerhaft aufnehmen.

1174x912 - Storchenpaar-Nest-Sambesi-Erlebnis-Zoo
Matibi und Adebar auf ihrem Nest am Sambesi.

Der Erlebnis-Zoo nahm die flugunfähigen Elternvögel Matibi und Adebar aus Leiferde auf und beteiligt sich so an der Nachzucht der gefährdeten Vögel. Dreimal hat das Zoo-Paar bereits gebrütet und Küken erfolgreich aufgezogen. Wird ihr Nachwuchs flügge, folgt der Umzug nach Leiferde zur Auswilderung. Dank der gut sichtbaren Ringe, mit denen die Tiere gekennzeichnet werden, lässt sich nachvollziehen, ob die Vögel aus dem Storchenkindergarten ihren Weg irgendwann zurück nach Deutschland finden. Matibi und Adebar im Erlebnis-Zoo haben ihr leeres Nest inzwischen aufgeräumt – und klappern schon wieder.