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Die Lokomotive Duchess in Yukon Bay

Das Geheimnis der
Herzogin

Zoo ein Unternehmen

Kleine Lokomotive mit großer Aufgabe

Mitten in der Wildnis von Yukon Bay steht eine Herzogin – die „Duchess“. Die kleine Lokomotive hat eine bewegte Vergangenheit: Zu Zeiten des Goldrausches am Yukon brachte sie die Abenteuer- und Goldsuchenden von Taku Landing am Tagish Lake nach Scotia Bay am Atlin Lake in British Columbia. Und auch heute hält sie eine Schlüsselstellung: Wer im Erlebnis-Zoo von den Bisons zu den Rentieren möchte, braucht für die Passage die „Duchess“.
Die Original-Duchess in Carcross Yukon

Die Original-Duchess steht heute in Carcross im Yukon Territory und ist ein beliebter Foto-Point

Die Mühen der Goldgräber

Als das Zoo-Team bei der Planung der kanadischen Themenwelt Yukon Bay nach einer thematisch passenden Abtrennung der Anlagen suchte, wurde es im kanadischen Carcross fündig. Dort steht seit den 1950er Jahren die historische „Duchess“ (gebaut 1878) und erinnert an die Mühen der Goldgräber: Die Strecke, die die Duchess damals zurücklegte, war zwar nur knapp drei Meilen lang, aber so steil, dass ihr oft der Dampf ausging. Die Passagiere mussten aussteigen und die kleine Lokomotive anschieben!
Und auch in Hannover muss, wie beim Original, Hand angelegt werden, um die Duchess zu bewegen – aber dazu später.
Die kleine Lokomotive wurde für Yukon Bay in Hannover detailgetreu nachgebaut. Sie steht hier an einem Bahnhof, von dem aus die Besuchenden Rentiere, Bisons, Waschbären und Timberwölfe beobachten können. Als zoologische Abtrennung von Tieranlagen fällt die Duchess überhaupt nicht auf. Erst wenn die Zoo-Gärtner und -Handwerker mit schwerem Gerät anrücken, zeigt sich das Geheimnis der Herzogin.
Nachbau der Duchess in Yukon Bay

Die Duchess wurde für die Themenwelt Yukon Bay als Abtrennung der Tieranlagen nachgebaut

Waldboden für die Rentiere

Einmal im Jahr wird die sogenannte „Deckschicht“ der Anlage bei den Rentieren erneuert. „So eine Deckschicht muss viel aushalten, die Tiere laufen, liegen, scharren oder graben ja sogar auf und im Boden“, erklärt Marvin Behrens, Leiter der Zoo-Gärtnerei. Mit Radladern fahren die Gärtner also tonnenweise neue Erde und Mulch auf den Hügelzug.
In diesem Jahr hat Marvin Behrens eine Substrat-Mischung speziell für den Hang der Anlage vorbereitet: „Wir bringen dort einen Boden ein, der aus gesiebtem Mutterboden, Rasensaatgut, feinen Gatterspänen und Rindenmulch besteht. Die Mischung imitiert einen Waldboden, der eine noch bessere Dämpfwirkung beim Laufen der Tiere bewirkt, sodass die Gelenke und Sehnen geschont werden.“
Die Waggons der Duchess werden auseinandergeschoben
Durch die Lücke fährt ein Radlader

Um mit großem Gerät auf die Rentieranlage zu gelangen, müssen zuerst die Waggons der Duchess auseinandergeschoben werden

Aber zuallererst muss die Duchess den Weg freigeben. Früh morgens, wenn alle Tiere hinter den Kulissen in ihren Stallungen sind, fahren die Gärtner mit den Radladern über die Bison-Anlage bis zur Lokomotive. Bei der Duchess angekommen, entkoppeln sie die Lokomotive, stemmen sich zunächst gegen den hinteren Waggon und schieben ihn auf den Schienen nach hinten. Zentimeter für Zentimeter rollt der Wagen rückwärts. Insgesamt 14 Meter ist der Zug lang und dementsprechend schwer: „Die Waggons müssen der Anprallkraft eines 1.000-Kilo-Bisonbullen standhalten“, erklärt Marvin Behrens. Auch der zweite Waggon wird stückweise verschoben, bis eine Lücke entsteht, breit genug für die großen Baumaschinen. Los geht’s.
Sand für das Hochzeitsgatter

Treffpunkt Hochzeitsgatter

Vor dem Unterstand der Tiere am Fuße der Anlage füllen die Gärtner Löcher und Unebenheiten mit Sand auf, so dass wieder eine gerade Fläche entsteht. Weiter geht es nach oben, auf das Plateau. Dort schaufeln die Gärtner gesiebten Mutterboden zwischen eine Baumgruppe – das Hochzeitsgatter. In der Brunft können Hirsche schon mal aggressiv werden, zwischen den Bäumen können sich die Rentier-Weibchen – die deutlich schmaler sind als die Männchen – dann zurückziehen. „Um die Bäume zu schützen, wird der Boden rundherum nicht verfestigt wie auf dem Rest der Anlage. Die Erde wird von den Tieren also schneller abgetragen und muss regelmäßig aufgefüllt werden“, so Behrens.
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„Die Waggons müssen der Anprallkraft eines 1.000-Kilo-Bisonbullen standhalten.“
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Zoo-Gärtner Marvin Behrens

Marvin Behrens

Perfekter Boden für Tieranlagen

Gleich hinter der Baumgruppe wird die eigentliche Deckschicht des Gehegebodens erneuert und mit einer schweren Rüttelplatte verdichtet: „So eine wassergebundene Wegedecke findet sich auf fast all unseren Anlagen“, erklärt Behrens, „von den Addax bis zu den Nashörnern“. Das rein natürliche Mineralstoffgemisch aus Kies, Sand und Split ist elastischer als Asphalt, schont die Gelenke der Tiere und heizt sich im Sommer nicht schnell auf. Regenwasser kann in dem Boden leicht versickern.
Auf der Hangpartie der Rentier-Anlage wird schließlich die neue Spezial-Mischung verteilt, die zuvor im großen Betonmischer zusammengemixt wurde. Mit Schaufeln verteilen die Gärtner den weichen, aber trittsicheren Boden. Zum Schluss werfen sie großflächig die Rasensaat aus. „Jetzt sind wir gespannt, wie die Rentiere den neuen Hang annehmen“, schmunzelt Behrens.
Aber bevor die Tiere ihre Anlage und den Hang erobern können, muss noch die Dutchess wieder in den Bahnhof gerollt werden. Wie damals in Kanada – nur nicht bergauf.
Mutterboden wird aufgetragen
Mit einer Rüttelplatte wird der Boden verdichtet

Die Original-Duchess

  • wurde 1878 vom Dampflokomotiven-Hersteller „Baldwin Locomotive Works“ gebaut.
  • wiegt stattliche 10,2 Tonnen.
  • verband für die White Pass & Yukon Route auf der kurzen Taku-Tram-Strecke Taku Landing am Tagish Lake mit Scotia Bay am Atlin Lake. Der Atlin Lake gehört zum Quellgebiet des Yukon River.
  • war gezwungen, jeweils eine Strecke im Rückwärtsgang fahren, weil es am Ende der Strecke keine Drehscheibe oder Wendeschleife gab.
  • musste an steilen Streckenabschnitten schon mal von ihren eigenen Passagieren angeschoben werden, weil ihr die Puste ausging.
  • beendete nach rund 20 Dienstjahren den regulären Einsatz der „Duchess“ auf der Taku Tram um 1920. Seitdem wird sie nicht mehr als Lokomotive eingesetzt.
  • steht heute, gezeichnet von einem bewegten Lokomotiven-Leben, vor der Touristeninformation im kanadischen Carcross.