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Feldhamster ausgewildert

Updates bei den
Feldhamstern

Artenschutz

Feldhamster ausgewildert

Noch liegt Tau auf den Halmen des Wintergetreides. Über dem Feld singt eine Feldlerche, während hoch oben ein Rotmilan seine Kreise zieht. Auf dem Acker bei Linderte wirkt an diesem Morgen alles ruhig. Doch zwischen den Getreidereihen sind bereits zahlreiche kleine Fähnchen zu erkennen. Sie markieren die Stellen, an denen in wenigen Minuten zwölf Feldhamster ihre neuen Baue beziehen werden.
Feldhamster ausgewildert
Feldhamster ausgewildert
Feldhamster ausgewildert

Lars Kaletta, AG Feldhamsterschutz Niedersachsen

Bevor die Tiere ankommen, sind viele Vorbereitungen nötig. Mit einem speziellen Erdbohrer hat Lars Kaletta von der AG Feldhamsterschutz Niedersachsen tiefe Löcher in den Boden gesetzt. Über jedem Eingang steht ein Schutzkäfig. Die Konstruktion gibt den Hamstern nach dem Ausbringen zunächst Deckung und Zeit, sich zu orientieren.
Als das Fahrzeug des Erlebnis-Zoo Hannover auf die Fläche fährt, beginnt der letzte Schritt eines Projekts, das vor einiger Zeit seinen Anfang nahm.
Feldhamster ausgewildert

Kimberly Land, Doktorandin der Universität Hildesheim

Gemeinsam tragen Mitarbeitende des Zoos und Mitglieder der AG Feldhamsterschutz die nummerierten Transportboxen zu den vorbereiteten Bauen. Kimberly Land von der Universität Hildesheim begleitet jeden Schritt. Die Doktorandin notiert sorgfältig, welches Tier welchem Bau zugeordnet wird. Jede Information ist wichtig, denn die Wiederansiedlung wird wissenschaftlich begleitet.
Nach und nach werden die Boxen in die Schutzkäfige gestellt. Die Hamster können selbst entscheiden, wann sie ihre neue Umgebung erkunden möchten. Einige verschwinden unmittelbar in den vorbereiteten Löchern. Andere bleiben zunächst sichtbar und schauen sich um.
Eine Handvoll Körner liegt als erste Nahrung bereit. Dann beginnt für die Tiere das, worauf das gesamte Projekt ausgerichtet ist: die Ansiedlung in einem Lebensraum, der langfristig eine stabile Population ermöglichen soll.
Feldhamster ausgewildert
Feldhamster ausgewildert

Gemeinsam für den Feldhamster 

Die zwölf Feldhamster stammen aus dem Zuchtprogramm des Erlebnis-Zoo Hannover. Ausgewildert wurden sie im Rahmen eines gemeinsamen Projekts mit der AG Feldhamsterschutz Niedersachsen sowie den Übertragungsnetzbetreibern TenneT und TransnetBW
Im Zuge des Netzausbauprojekts SuedLink wurden Feldhamster aus den Gebieten gesichert. Gleichzeitig entstand die Idee, bestehende Populationen in der Calenberger Börde gezielt zu stärken. Dafür wurden gemeinsam mit Landwirten spezielle Wiederansiedlungsflächen geschaffen. 
Die Auswilderung der Hamster zeigt, dass Netzausbau und Artenschutz gemeinsam gelingen können.

Gunnar Spengel, Programm-Direktor SuedLink

Feldhamster ausgewildert
Klaus Brunsing
Mit der Zucht der Feldhamster engagiert sich der Erlebnis-Zoo für eine heimische Art, deren Lebensräume in der Kulturlandschaft stark zurückgegangen sind. Entscheidend ist das Zusammenspiel vieler Akteure. Nur gemeinsam können wir geeignete Lebensräume erhalten, neu schaffen und die Population langfristig stabilisieren.

Klaus Brunsing, Zoologischer Leiter Erlebnis-Zoo Hannover

Ein Feld für Hamster – und viele andere Arten

Auf den Flächen wachsen nicht nur Getreide, sondern auch Sonnenblumen, Erbsen und Ackerbohnen. Die ölreichen Sonnenblumenkerne und die eiweißreichen Leguminosen erweitern das Nahrungsangebot der Hamster deutlich. Schutzstreifen und angepasste Bewirtschaftung sorgen dafür, dass auch nach der Ernte Deckung vorhanden bleibt. 
Calenberger Börde

Feld in der Calenberger Börde

In Gebieten, in denen es dem Feldhamster gut geht, profitieren häufig auch viele andere Arten. Feldhasen, Rebhühner, Wachteln oder Feldlerchen finden hier ebenfalls bessere Bedingungen. 

Nina Lipecki, AG Feldhamsterschutz Niedersachsen

Feldhase
Feldlerche

Feldhase und Feldlerche

Forschung für den Artenschutz 

Die Auswilderung ist gleichzeitig Teil eines Forschungsprojekts der Universität Hildesheim. Doktorandin Kimberly Land untersucht, welchen Einfluss individuelles Verhalten auf den Erfolg von Wiederansiedlungen hat – ein Bereich, der bei Kleinsäugern bislang kaum erforscht ist. 
Bereits vor der Auswilderung wurden die Tiere in standardisierten Verhaltenstests beobachtet. Dabei untersuchten die Forschenden beispielsweise, wie Hamster auf unbekannte Gegenstände reagieren, neue Umgebungen erkunden oder Aufgaben lösen, um an Futter zu gelangen. Die Ergebnisse sollen zeigen, ob bestimmte Verhaltensweisen dazu beitragen, dass sich einzelne Tiere erfolgreicher in einem neuen Lebensraum etablieren. 
Feldhamster ausgewildert
Feldhamster ausgewildert

Hundespielzeug für Verhaltenstests der Feldhamster

Auch nach der Auswilderung werden die Hamster weiter begleitet. Alle Tiere tragen einen Chip, der von Antennen an den Bauen erfasst wird. So können die Forschenden nachvollziehen, wie häufig die Tiere ihre Baue nutzen, ob sie auf der Fläche bleiben und wie sich die Population entwickelt. Ergänzend werden einzelne Tiere regelmäßig vom Team der AG Feldhamsterschutz untersucht, um ihren Gesundheitszustand und den Fortpflanzungserfolg zu erfassen. 

Updates von den Wildkameras

Feldhamster ausgewildert
Feldhamster ausgewildert
Als die letzten Transportboxen wieder eingesammelt werden, kehrt auf dem Feld langsam Ruhe ein. Die vorbereiteten Baue liegen nun zwischen den Getreidehalmen verborgen. Was oberirdisch kaum noch zu erkennen ist, wird in den kommenden Monaten weiter beobachtet: der Versuch, eine der seltensten heimischen Säugetierarten dauerhaft in ihrem ursprünglichen Verbreitungsgebiet zu stärken.
Die zwölf Tiere sind die ersten Hamster, die im Zoo gezüchtet und ausgewildert wurden. Weitere Tiere werden folgen. Ob sich diese Tiere eine dauerhaft stabile Population entwickelt, werden die kommenden Jahre zeigen. Die Vorraussetzungen dafür wurden geschaffen - durch eine tierisch starke Zusammenarbeit.
Feldhamster ausgewildert

Wussten Sie schon?

Möglich wird die Auswilderung durch ein gemeinsames Artenschutzprojekt der Übertragungsnetzbetreiber TenneT und TransnetBW im Rahmen des Netzausbauprojekts SuedLink. Gemeinsam mit der AG Feldhamsterschutz Niedersachsen e.V. und Landwirten aus der Region wurden Flächen vorbereitet, auf denen die stark bedrohten Nager langfristig geeignete Lebensbedingungen vorfinden sollen.