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Straußengruppe in ihrem Eingewöhnungsgehege im Projekt von Sahara Conversation

Zurück
in die Wildnis

Artenschutz

Nordafrikanische Strauße kehren in den Niger zurück

Der große Moment: die Strauße bei der Öffnung des Geheges

Der große Moment: die Strauße bei der Öffnung des Geheges, Sahara Conversation

Nach jahrelanger Vorbereitung ist es endlich so weit:

Acht Nordafrikanische Strauße sind im Niger erstmals wieder in ihren ursprünglichen Lebensraum entlassen worden. Damit erreicht ein langjähriges Artenschutzprojekt einen bedeutenden Meilenstein.
Gemeinsam mit der Naturschutzorganisation Sahara Conservation unterstützt der Erlebnis-Zoo Hannover die Rückkehr dieser beeindruckenden Vögel.

Vom weit verbreiteten Vogel zum seltenen Überlebenden

Einst durchstreifte der Nordafrikanische Strauß weite Teile des nördlichen Afrikas. Sein ursprüngliches Verbreitungsgebiet erstreckte sich über die Sahara und die angrenzenden Sahelregionen bis nach Nordwest- und Nordostafrika. Heute sieht die Situation ganz anders aus:  Insgesamt wird ihre Zahl nur noch auf einige Hundert wildlebende Vögel geschätzt.
Auch im westafrikanischen Niger war der Nordafrikanische Strauß einst weit verbreitet. Doch die Bestände gingen immer weiter zurück. Das Absammeln der Eier, illegale Jagd und der Verlust geeigneter Lebensräume setzten den Vögeln massiv zu. Bis 2004 waren die letzten wildlebenden Strauße des Landes verschwunden.
Damit war der Nordafrikanische Strauß im Niger in der Wildbahn ausgestorben. Doch die Geschichte dieser Vogelart sollte hier nicht enden.
2016 wurde eine nationale Strategie zum Schutz der Strauße entwickelt. Ihr Ziel: geeignete Lebensräume erhalten und wiederherstellen, eine Zuchtpopulation aufbauen und die Tiere langfristig in ihrem ursprünglichen Verbreitungsgebiet wiederansiedeln.
Eine entscheidende Rolle bei der Umsetzung spielt Sahara Conservation. Die Naturschutzorganisation ist eng mit dem Erlebnis-Zoo Hannover verbunden und treibt unter anderem den Aufbau und das Management der Straußenzuchtstation in Kellé voran.
Logo Sahara Conservation

Sahara Conservation Logo

Der
One Plan Approach

Gemeinsam für den Artenschutz

Artenschutz kennt keine Grenzen. Besonders deutlich wird das beim sogenannten One Plan Approach der Europäischen Zoovereinigung EAZA. Dahinter steht die Idee, Schutzmaßnahmen in Zoos und im natürlichen Lebensraum einer Tierart nicht getrennt voneinander zu betrachten, sondern miteinander zu verbinden.
Genau diesen Ansatz verfolgen der Erlebnis-Zoo Hannover und Sahara Conservation beim Schutz des Nordafrikanischen Straußes.
Sahara Conservation ist seit ihrer Gründung Partnerorganisation des Erlebnis-Zoo. Im Erlebnis-Zoo Hannover werden die Erhaltungszuchtprogramme (EAZA Ex situ Programme, EEP) sowohl für die Wüstenantilope Addax als auch den Nordafrikanischen Strauß koordiniert. 
Dabei geht es nicht allein darum, die Tiere in europäischen Zoos zu halten und zu züchten. Die Programme tragen auch dazu bei, Wissen über die Tierarten, ihre Lebensräume und ihre Bedrohung zu vermitteln. Gleichzeitig bilden sie eine wichtige Verbindung zu den Schutzprojekten vor Ort.
Der Aufbau der Zuchtstation in Kellé im Niger und die Etablierung des europäischen Erhaltungszuchtprogramms sind ein Beispiel für den One Plan Approach. Dabei werden Artenschutzmaßnahmen in Zoos und im natürlichen Lebensraum einer Tierart gemeinsam gedacht und umgesetzt.
Straußenküken in der Zuchtstation Kellé

Straußenküken in der Zuchtstation Kellé, Sahara Conversation

Der Aufbau der Zuchtstation in Kellé erforderte jahrelange Planung und viel praktische Arbeit. Die Zuchttiere stammen aus privaten Haltungen, in denen auch nach dem Verschwinden der wildlebenden Strauße im Niger noch einzelne Vögel gehalten wurden.
In Kellé werden die Strauße sowohl auf natürlichem Weg durch ihre Eltern als auch künstlich in einem Inkubator ausgebrütet. So konnte Schritt für Schritt eine Zuchtpopulation aufgebaut werden.
Doch bevor die ersten Küken aufwachsen konnten, mussten zahlreiche Voraussetzungen geschaffen werden. Dazu gehörten unter anderem:
  • der Bau eines Brunnens zur Wasserversorgung,
  • die Installation einer Solaranlage für eine zuverlässige Stromversorgung,
  • die Sicherung der Futterversorgung für die Aufzucht der Küken,
  • die Anlage von Feuerschneisen zum Schutz vor Buschbränden.
Dr. Ibrahim Mamadou erläutert den Behördenvertretern das Projekt

Dr. Ibrahim Mamadou erläutert den Behördenvertretern das Projekt, Sahara Conversation

Neben diesen praktischen Herausforderungen waren auch die Zusammenarbeit mit den Behörden und der enge Austausch mit der lokalen Bevölkerung entscheidend.
Die Parkmanagerin Dr. Maimounatou Ibrahim Mamadou koordinierte die Arbeit vor Ort und trieb die Entwicklung der Station maßgeblich voran.
Der Erlebnis-Zoo Hannover unterstützte das Projekt von Beginn an – durch fachlichen Austausch und finanzielle Förderung. So wurde aus der Zusammenarbeit zwischen europäischen Zoos und einem Artenschutzprojekt im Niger ein gemeinsames Vorhaben mit einem klaren Ziel: die Rückkehr des Nordafrikanischen Straußes in den ursprünglichen Lebensraum.

Nordafrikanische Strauße in europäischen Zoos: Wissen schafft Verständnis

Parallel zu den Schutzbemühungen im Niger wurde in Europa das Erhaltungszuchtprogramm (EEP) für den Nordafrikanischen Strauß aufgebaut. Es wurde 2011 etabliert. Mittlerweile leben die Vögel mit ihrem charakteristischen roten Hals in 15 Zoos in neun europäischen Ländern.
Die Haltung der Strauße in den Zoos hat vor allem eine wichtige Aufgabe: Sie macht auf die Tiere, ihren natürlichen Lebensraum, ihre Bedrohung und die weltweiten Schutzbemühungen aufmerksam. Denn nur was wir kennen, können wir auch schützen. So tragen die Zoos dazu bei, das Bewusstsein für den Artenschutz zu stärken und Menschen für den Erhalt dieser besonderen Vogelart zu sensibilisieren.
Straußen Paar im Zoo Hannover

Nordafrikanisches Rothalsstraußen Paar im Erlebnis-Zoo Hannover, B. Zeller

Im Niger ging die Arbeit unterdessen weiter. Um die genetische Vielfalt der dortigen Zuchtpopulation zu stärken, konnten im vergangenen Jahr junge Strauße aus zwei weiteren Zuchtstationen in Iférouane und Mainé-Soroa nach Kellé gebracht werden.
Ein wichtiger Schritt, um die Grundlage für eine langfristig überlebensfähige Population zu schaffen.
Von Kellé aus wurde schließlich eine Gruppe von Straußen in das Biosphärenreservat Gadabedji gebracht. Dort konnten sich die Tiere mehrere Monate lang in einem geschützten Gehege an ihre neue Umgebung gewöhnen.
Dann war es so weit: Im September wurden die ersten acht Nordafrikanischen Strauße im Niger ausgewildert – fünf Hennen und drei Hähne.
Straußengruppe in ihrem Eingewöhnungsgehege im Projekt von Sahara Conversation

Die Straußengruppe in ihrem Eingewöhnungsgehege, Sahara Conversation

Ein historischer Moment: Zum ersten Mal seit Jahrzehnten leben wieder Nordafrikanische Strauße in ihrem ursprünglichen Lebensraum im Niger. Die Auswilderung stieß auch auf großes nationales Interesse und fand im Beisein zahlreicher Behördenvertreter statt.
Für alle Beteiligten war dieser Tag der sichtbare Erfolg einer jahrelangen Zusammenarbeit
„
Es ist eine große Ehre, diesen Moment miterleben zu dürfen, der den Höhepunkt langjähriger Arbeit und Beharrlichkeit darstellt. Zu sehen, wie diese Strauße heute in ihren natürlichen Lebensraum zurückkehren, ist zutiefst bewegend. Ich möchte mich bei allen bedanken, die direkt oder indirekt dazu beigetragen haben, diese Rückkehr zu ermöglichen.
“

Dr Maimounatou Ibrahim Mamadou, Sahara Conservation’s Ostrich Site Manager

Übersetzt aus dem Englischen

Bereits 2018 und 2022 wurden Westafrikanische Giraffen im Biosphärenreservat wiederangesiedelt

Bereits 2018 und 2022 wurden Westafrikanische Giraffen im Biosphärenreservat wiederangesiedelt, Sahara Conversation

Gadabedji: Ein neuer Lebensraum für bedrohte Tierarten

Das Biosphärenreservat Gadabedji umfasst eine Fläche von 14.136 Quadratkilometern und liegt vollständig in der Sahelzone. Es ist ein bedeutendes Schutzgebiet für die Wiederansiedlung bedrohter Tierarten.
Bereits 2018 und 2022 wurden hier Westafrikanische Giraffen wiederangesiedelt. Nun ist mit dem Nordafrikanischen Strauß eine weitere Tierart hinzugekommen.
Für die acht ausgewilderten Vögel beginnt damit ein neuer Lebensabschnitt. In den kommenden Monaten und Jahren werden sie intensiv beobachtet. Die Fachleute wollen herausfinden, wie gut sich die Tiere an die Bedingungen in ihrem natürlichen Lebensraum anpassen, wie sie sich verhalten und welche Herausforderungen sich nach der Freilassung ergeben.
Die gewonnenen Erkenntnisse sind entscheidend für die nächsten Schritte. Langfristig sollen weitere Strauße ausgewildert werden, um wieder eine stabile, wildlebende Population aufzubauen.

Artenschutz gelingt nur gemeinsam

Die Rückkehr des Nordafrikanischen Straußes ist nicht allein das Ergebnis erfolgreicher Zucht. Sie zeigt auch, wie wichtig die Zusammenarbeit zwischen Naturschutzorganisationen, Zoos, Behörden, Wissenschaft und der lokalen Bevölkerung ist.
Eine wichtige Voraussetzung für den langfristigen Schutz der Strauße ist die Einbeziehung der Menschen, die sich diesen Lebensraum mit den Tieren teilen. Sahara Conservation engagiert sich deshalb nicht nur für den Schutz der Strauße und ihres Lebensraums, sondern setzt auch zahlreiche Maßnahmen um, um das Bewusstsein für die Natur und die Bedeutung des Artenschutzes zu stärken. Gleichzeitig sollen für die Menschen in den umliegenden Gemeinden Einkommensmöglichkeiten geschaffen werden.
So entsteht eine wichtige Grundlage dafür, dass Mensch und Natur langfristig miteinander leben können.
„
Für Sahara Conservation bedeutet die Rückkehr des Nordafrikanischen Straußes in den Niger weit mehr als nur eine Wiederansiedlungsmaßnahme. Sie verdeutlicht, was wir erreichen können, wenn Institutionen, Gemeinden, private Akteure, wissenschaftliche Teams und Naturschutzorganisationen langfristig zusammenarbeiten.
“

Dr. Tim Woodfine, Geschäftsführer von Sahara Conservation

Übersetzt aus dem Englischen

Ein Zuchttrio in der Station Kellé

Ein Zuchttrio in der Station Kellé, Sahara Conversation

Ein wichtiger Schritt – und noch ein langer Weg

Die erste Auswilderung im Niger ist ein bedeutender Erfolg für den internationalen Artenschutz. Doch sie ist nicht das Ende der Arbeit, sondern der Beginn eines neuen Kapitels.
Ob sich die acht Strauße dauerhaft in ihrem ursprünglichen Lebensraum etablieren können, wird sich erst mit der Zeit zeigen. Weitere Auswilderungen, wissenschaftliche Beobachtungen und der Schutz des Lebensraums bleiben deshalb unverzichtbar.
Der Erlebnis-Zoo Hannover wird sich gemeinsam mit Sahara Conservation weiterhin für den Erhalt des Nordafrikanischen Straußes einsetzen. Die Rückkehr der ersten acht Tiere zeigt, was durch langfristiges Engagement und internationale Zusammenarbeit möglich ist.
Aus einer Tierart, die im Niger bereits als ausgestorben galt, könnte so wieder eine wildlebende Population entstehen. Ein wichtiger Schritt, damit auch kommende Generationen den Nordafrikanischen Strauß in seiner natürlichen Heimat erleben können.
Bild- und Zitathinweis: Die verwendeten Bilder und Originalzitate stammen von der Website von Sahara Conservation. Die Zitate wurden aus dem Englischen ins Deutsche übersetzt.

Zum Beitrag von Sahara Conversation