Feldhamster

Kleine Nager
großes Projekt

Artenschutz

Erlebnis-Zoo züchtet Feldhamster zur Wiederansiedlung in der Calenberger Börde

Klaus Brunsing

Über den Autor

Klaus Brunsing ist Biologe und Zoologischer Leiter des Erlebnis-Zoo Hannover und berichtet im folgenden Blogartikel über das Artenschutzprojekt des Zoos zum Schutz der Feldhamster, welches in Zusammenarbeit mit der Arbeitsgemeinschaft Feldhamsterschutz e.V. und den Übertragungsnetzbetreibern TenneT und Transnet BW ins Leben gerufen wurde.
Der Bericht ist zuerst erschienen im Magazin "DER ZOOFREUND" im März 2026.
Der Feldhamster (Cricetus cricetus) gehört zu den seltensten Säugetierarten in Deutschland. Er wird in der Roten Liste des Bundesamtes für Naturschutzes als vom Aussterben bedroht eingestuft. Diese Art steht daher bei uns unter strengem Schutz. 
Warum aber ist der Feldhamster vom Aussterben bedroht?
Und was kann der Erlebnis-Zoo Hannover tun, um ein Aussterben zu verhindern?
Bevor wir diesen Fragen nachgehen, zuerst ein kurzes Portrait dieses wehrhaften Nagers.

Der
Feldhamster

Feldhamster

Allgemeine Merkmale des Feldhamsters

Der Feldhamster gehört zur Ordnung der Nagetiere und ist der einzige in Deutschland lebende Vertreter der Unterfamilie der Hamster (Cricetinae). Feldhamster erreichen ein Körpergewicht von bis zu 650 g bei einer Körperlänge von bis zu 35 cm. Die Männchen sind im Mittel etwa ein Drittel schwerer als die Weibchen.
Feldhamster ernähren sich von Kräutern, Gräsern und Feldfrüchten. Wie viele Nagetiere verschmähen sie aber auch tierische Kost nicht. Insekten und kleine Wirbeltiere gehören ebenfalls zu ihrem Speiseplan.
Landwirtschaft

Verbreitung und Lebensraum

Feldhamster sind Steppenbewohner, die bergige Landschaften und Wälder meiden. Ihr Verbreitungsgebiet erstreckt sich über Mittel-, Südost- und Osteuropa bis nach Asien. In Deutschland war der Feldhamster ursprünglich weit verbreitet.
Durch die Intensivierung der Landwirtschaft sind die Bestände allerdings massiv zurückgegangen. Heute finden wir in Deutschland nur noch kleine Populationen in Niedersachsen, Sachsen-Anhalt, Sachsen, Thüringen, Hessen und Rheinland-Pfalz. In Niedersachsen beschränkt sich das Verbreitungsgebiet auf die Börden in der südlichen Region Hannover, die Region Hildesheim und den Raum Göttingen.
Hamster Bau

Feldhamsterbau in der Calenberger Börde

Der Hamsterbau

Feldhamster leben ein Singledasein und einen großen Teil ihres Lebens unter der Erde. Zum Schutz vor Beutegreifern, aber auch zum Schutz vor der Witterung, bauen Feldhamster ausgedehnte Erdbauten mit Höhlen, die unterschiedlichen Funktionen haben. So hat eine Hamsterbau üblicherweise Vorratskammern, in denen die Nahrungsvorräte für den Winter eingelagert werden, Nestkammern, in denen der Nachwuchs versorgt wird und in denen geschlafen wird, aber auch spezielle Kammer für den Absatz von Kot und Urin.

Winterschlaf und Überleben

Der Feldhamster hält zwischen Oktober und April Winterschlaf. Er entgeht so dem Nahrungsmangel und der Kälte der Wintermonate. Während der Phase des Winterschlafes werden die Stoffwechselvorgänge im Körper des Hamsters auf ein Minimum reduziert. Atemfrequenz, Körpertemperatur und sogar die Hirntätigkeit werden so weit abgesenkt, dass der Feldhamster in den Zustand einer „Erstarrung“, einem sogenannten Topor fällt. Diese Phase dauert allerdings nicht den ganzen Winter an. Der Hamster erwacht regelmäßig aus diesem Topor bedient sich dann an seinen Nahrungsvorräten. So schaffen es die Feldhamster, den Winter unter der Erde zu überleben.
Feldhamster nachwuchs

Zuchtstation im Erlebnis-Zoo Hannover

Fortpflanzung und Nachwuchs

Hamster sind Einzelgänger. Nur zur Paarungszeit duldet das Weibchen ein Männchen in ihrer Nähe. In der Regel bekommen Feldhamster im Jahr zwei Würfe. Die Wurfgröße liegt zwischen 6 und 10 Jungtieren. Nach einer Tragzeit von etwa 20 Tagen werden die Jungtiere geboren. Schon nach 4 Wochen wiegen die jungen Feldhamster um die 100 g und gehen ihre eigenen Wege

Die Gefährdung

Feld

Früher:

Vorteil durch kleinräumige Landwirtschaft

Als Steppenbewohner, der sich unter anderem auch von Getreide ernährt, profitierte der Feldhamster in früheren Jahren von der Ausdehnung landwirtschaftlich geprägter Flächen. Dabei war für ihn die kleinräumige Bewirtschaftung, mit vielen Hecken zum Schutz vor Fressfeinden, von besonderer Bedeutung.

Heute:

Bedrohung durch Industrialisierung

Mit der zunehmenden Industrialisierung der Landwirtschaft, den immer größer werdenden Feldern, dem Verschwinden von Hecken und dem immer effizienteren Einsatz landwirtschaftlicher Maschinen wurde das Überleben für den Hamster immer schwieriger. Populationen brachen massiv ein und heute finden wir nur noch kleine Populationen mit geringen Bestandsdichten.
Calenberger Börde

Calenberger Börde

Schutzprojekt

in der Calenberger Börde

Aber es gibt sie noch, auch bei uns in der Region Hannover. Ohne Unterstützung würde der Feldhamster bei uns in wenigen Jahren gänzlich verschwinden. Damit dies nicht passiert, unterstützt der Erlebnis-Zoo Hannover ein Projekt zur Rettung der letzten Feldhamster in der Calenberger Börde.

Das
Projekt

Menschen

Von links nach rechts: Stefan Kluge, Dr. Marlis Dumke, Nina Lipecki, Klaus Brunsing

Der Anruf von Frau Nina Lipecki

Im Herbst 2023 bekam ich einen Anruf von Frau Nina Lipecki. Frau Lipecki ist Expertin in Sachen Feldhamster und setzt sich mit dem Verein Arbeitsgemeinschaft Feldhamsterschutz e.V. schon seit vielen Jahren sehr aktiv für den Feldhamsterschutz in Niedersachsen ein.
Frau Lipecki teilte mir mit, dass im Rahmen des Baues der Netzausbauprojekts Südlink-Trasse durch die Region Hannover ein Projekt zur Bestandstützung der Feldhamsterpopulation geplant ist.

Initiatoren und Ziel des Projekts

Initiator dieses Projektes waren die durchführenden Firmen des Südlink-Projektes, die Übertragungsnetzbetreiber TenneT und TransnetBW.
Die TenneT und die Transnet BW waren entschlossen, im Rahmen des Projektes die vorhandene Feldhamsterpopulation zu stützen und zu vergrößern. Dazu sollen Feldhamster in einer Zuchtstation vermehrt und die Nachzuchttiere an geeigneter Stelle wieder freigesetzt werden.

Aufbau einer Zuchtstation

Für den Aufbau einer Zuchtstation wurde ein Partner gesucht, der mit Expertise diese wichtige Aufgabe übernehmen konnte. Die Wahl fiel auf den Erlebnis-Zoo Hannover.
Nach ersten Gesprächen zwischen Frau Lipecki, Herrn Kluge, dem zuständigen Projektverantwortlichen der TenneT, und mir war schnell klar, dass wir alle gemeinsam dieses Projekt zum Erfolg führen wollten. In den ersten Gesprächen wurden die Rahmenbedingungen für die Zuchtstation geklärt und ein erster Zeitplan erstellt.

Voraussetzungen für eine erfolgreiche Population

Um ein solches Projekt mittelfristig zum Erfolg zu führen, bedarf es Flächen, die so bewirtschaftet werden, dass der Hamster eine Überlebenschance hat. Um eine stabile Population aufbauen zu können, benötigen Feldhamster ausreichend Futter und Rückzugsmöglichkeiten. Die Flächen müssen daher hamsterfreundlich bewirtschaftet werden.
Feld

Projektfläche bei Linderte

Die TenneT und die Transnet BW schufen hierfür mit mehreren Landwirten eine Projektfläche in der Nähe der Ortschaft Linderte. Diese Fläche besteht aus einer Kernzone (3 ha) und Erweiterungsflächen (70 ha). Die Landwirte bewirtschaften diese Flächen in Abstimmung mit der Projektleitung hamsterfreundlich. Eine hamsterfreundliche Bewirtschaftung bedeutet unter anderem:
  • Schutzstreifen auf den Feldern bleiben stehen und bieten den Hamstern Rückzugsmöglichkeiten.
  • Das angebaute Getreide wird nicht wie üblich direkt über dem Boden geschnitten, sondern es verbleiben deutlich längere Halme auf den Äckern (Ährenernte). Diese Felder bieten den Hamstern mehr Schutz und Nahrung.
  • Auf weiteren Äckern werden spezielle Futterpflanzen angebaut, die für den Feldhamster geeignet sind.
 Die TenneT und die Transnet BW unterstützen das Projekt in einem ersten Schritt für mindestens fünf Jahre.

Die
Zuchtstation

Feldhamster

Zuchtstation im Erlebnis-Zoo Hannover

Hilfe aus Berlin

Nachdem die Entscheidung für eine Zuchtstation im Erlebnis-Zoo Hannover gefallen war, stand die Suche nach einer geeigneten Räumlichkeit auf dem Zoogelände an. Um eine fundierte Auswahl treffen zu können, musste zunächst Klarheit über die Größe und die Ausstattung einer zukünftigen Station herrschen.
Um hierfür konkrete Vorstellungen zu entwickeln, besuchten Philipp Plate (Leitung Tierpflege) und ich die Feldhamsterzuchtstation im Tierpark Berlin. Der Tierpark Berlin züchtet bereits seit einigen Jahren sehr erfolgreich Feldhamster. Die zuständige Kuratorin, Frau Maren Siebert, gab uns zahlreiche wertvolle Informationen zur Haltung und Zucht dieser Nager.
Mit diesem Wissen ausgestattet, machten wir uns in Hannover an den Aufbau einer eigenen Zuchtstation.

Schritt 1

Umbau der ehemaligen Showarena

Die Standortwahl fiel auf das Stallgebäude der ehemaligen Showarena. Allerdings mussten dort noch einige Arbeiten erledigt werden, bevor das Gebäude für unsere Zwecke genutzt werden konnte.
Unsere Handwerker rüsteten das Gebäude nach unseren Vorgaben zu einer Zuchtstation um. Die vorhandenen Räume wurden leergeräumt, renoviert und mit einem modernen Lichtregime sowie einer Lüftungsanlage ausgestattet.

Schritt 2

Technische Voraussetzungen für eine erfolgreiche Zucht

Wichtig für die erfolgreiche Zucht von Feldhamstern ist, dass die Tageslänge auch unter künstlichen Bedingungen an die natürlichen Verhältnisse angepasst wird. Die Tageslänge ist letztlich ein entscheidender Stimulus für die Paarungsbereitschaft im Frühjahr.
Die Umbauten in der Station schritten zügig voran. Die ersten Haltungseinheiten wurden geliefert und von unseren Tischlern „hamstergerecht“ ausgestattet.
Im Frühsommer 2024 war die Station schließlich bereit für die Aufnahme der ersten Feldhamster.

Der
Hamster-Einzug

Hamster Fangen

Bergung der Feldhamster

Bergung der Feldhamster für die Zuchtstation

Die Feldhamster, die in unsere Station kommen sollten, sollten von den Flächen entnommen werden, die für den Bau der Südlinktrasse in Anspruch genommen werden. Feldhamster fängt man am besten im Frühjahr, wenn die Tiere aus dem Winterschlaf erwacht sind und die Vegetation auf den Feldern noch nicht hochgewachsen ist.
Frau Lipecki übernahm die Aufgabe, die Hamster für die Station zu fangen. Allerdings erwies sich dies als herausfordernd. 2024 war die Vegetation schon früh im Jahr sehr hochgewachsen und es zeigte sich, dass nur noch sehr wenige Feldhamster auf den Flächen der Südlinktrasse lebten. Mit ihrer Erfahrung gelang es Frau Lipecki aber dennoch, drei Feldhamster im Juni 2024 auf den Flächen zu bergen.

Erste Tiere in der Station – Ein schwieriger Start

Die Tiere wurden zu uns in die Station gebracht. Leider stellte sich heraus, dass es sich bei allen drei Tieren um Männchen handelte. An eine Zucht war so natürlich nicht zu denken. Ein weiterer Versuch, Feldhamster für die Station zu finden, wurde auf den Spätsommer verschoben. So zogen die ersten drei männlichen Hamster in unsere Station ein und Philipp Plate und sein Pflegerteam konnten sich mit diesen Tieren und ihren Gewohnheiten vertraut machen.

Verstärkung und Hoffnung für die Zucht

Im September kam dann der erlösende Anruf von Frau Lipecki. Vier weitere Hamster konnten auf der Fläche eingesammelt werden und warteten auf den Einzug in unsere Station. Glücklicherweise waren diesmal zwei weibliche Tiere dabei.
Der Grundstock für eine hoffentlich erfolgreiche Zucht dieser bedrohten Tiere war damit gelegt.
Philipp Plate vom Erlebnis-Zoo Hannover nimmt einen Feldhamster entgegen, den Nina Lipecki von der Arbeitsgemeinschaft Feldhamsterschutz Niedersachsen e.V. zur Aufzucht eingefangen hatte.

Einer der ersten Hamster zusammen mit Nina Lipecki und Philipp Plate, Foto: Aiko Sukdolak

Der
erste Winter

Feld im Winter
Die Feldhamster, die im September 2024 zu uns kamen, waren zum Teil noch recht klein und wogen alle unter 200 g. Feldhamster sollten ein Körpergewicht von mindestens 250 g aufweisen, bevor die Tiere in den Winterschlaf gehen. So fütterten wir unsere Neuzugänge großzügig mit Blattgemüse, Knollengemüse und einer Körnermischung bestehend aus Getreide und Leguminosen. Ab November zogen sich die Hamster immer mehr zurück und auch die Pflegenden verringerten die Versorgung. Von nun an erhielten die Tiere nur noch alle 2 – 3 Tage Futter und Wasser. Das Lichtregime war der Tageslichtdauer im Winter angepasst und auch die Temperaturen im Haus wurden auf 10 – 12 °C abgesenkt.

Frühling

In der Wildbahn

Beginn der Fortpflanzungszeit

In der Wildbahn tauchen die Hamster im April wieder aus ihren Erdbauten aus und versorgen sich mit dem ersten frischen Grün. Schnell beginnen die Feldhamster dann mit der Fortpflanzung. Männchen gehen in ihrem Revier auf die Suche nach paarungsbereiten Weibchen. Wenn ein Weibchen paarungsbereit ist, lässt es die Nähe des Männchens zu und es kommt dann in der Regel zu den ersten Deckakten. Ist das Weibchen noch nicht bereit, zeigt sie dies deutlich durch lautstarkes Abwehrverhalten dem Männchen gegenüber.

In der Zuchtstation

Das Ende des Winterschlafs

Im April endete auch in unserer Station für die Hamster der Winterschlaf. Die Tiere wurden wieder täglich mit frischem Grünfutter versorgt und die Feldhamster wurden deutlich aktiver. Ein Gesundheitscheck durch unsere Tierärzte zeigte, dass alle Hamster den ersten Winter bei uns gut überstanden hatten. Alle hatten deutlich an Gewicht zugenommen und das schwerste Männchen brachte sogar 580 g auf die Waage. Damit fiel bei uns der Startschuss für die ersten Zuchtversuche.
Vom Aussterben bedroht: der Feldmaster. Der Erlebnis-Zoo Hannover und das Energiewende-Projekt SuedLink starten gemeinsame Rettungsaktion.

Die
Hamster-Zucht

Vorbereitung der Zuchtpaare

Für unsere Zuchtversuche griffen wir auf die Erfahrungen von Frau Lipecki zurück, die mit ihrem Verein ebenfalls eine Zuchtstation für Feldhamster betreibt. Frau Lipecki hat gute Erfahrungen damit gemacht, die potenziellen Zuchtpaare für einige Zeit in ihren Haltungseinrichtungen nebeneinander zu halten, bevor man die beiden Tiere zusammenbringt.
Aufgrund dieser Erkenntnisse platzierten wir zwei unserer Männchen in ihren Haltungseinrichtungen neben unseren beiden Weibchen. Ziel war es, dass die Tiere, die nun Wand an Wand lebten, sich kennenlernen konnten und so Interesse füreinander geweckt werden konnte.

Erste Verpaarungsversuche

Nachdem die Feldhamster einige Tage nebeneinander gehalten wurden, wagten wir einen ersten Verpaarungsversuch. Dazu wurden die beiden Männchen zu dem jeweiligen Weibchen gesetzt. Bei beiden Paaren kam es zu keinerlei Aggressionen. Allerdings konnten wir auch keine Deckakte beobachten. Wir ließen die Paare für drei Tage zusammen und trennten diese dann wieder, in der Hoffnung, dass die Weibchen tragend seien. Nun galt es abzuwarten. Die Dauer der Tragzeit beträgt etwa 20 Tage.
Als sich nach mehr als drei Wochen bei beiden weiblichen Feldhamstern kein Nachwuchs eingestellt hatte, versuchten wir eine erneute Verpaarung in den gleichen Konstellationen wie beim ersten Versuch. Auch diesmal zeigte sich weder ein aggressives Verhalten noch konnten wir Deckakte beobachten. Das Interesse der Tiere füreinander war jedoch deutlich zu erkennen. Wir entschieden diesmal, die Paare etwa eine Woche zusammenzulassen. Nachdem wir sie wieder getrennt hatten, galt es erneut abzuwarten und zu hoffen.

Die ersten
Jungtiere

Hamster Nachwuchs

Erster Wurf Jungtiere

Die Geburt der ersten Jungtiere

Am 10.06.2025 war es dann tatsächlich so weit. Bei der täglichen Versorgung der Hamster konnten wir in den Nestern beider Weibchen leise fiepende Geräusche hören. Wir waren sicher, dass hier die ersten Jungtiere in unserer Station geboren waren.
Wir mussten jedoch unsere Ungeduld zügeln. Um die Weibchen in dieser neuen Situation nicht zu stören, ließen wir sie mit ihren Jungtieren zunächst in Ruhe.

Erste Kontrolle und Entwicklung der Jungtiere

Nach einer Woche kontrollierten wir zum ersten Mal die Nester und zählten in beiden Nestern jeweils acht Jungtiere. Die Entwicklung der kleinen Hamster geht rasant. Schon in der zweiten Woche zeigten sich die Jungtiere außerhalb des Nestes und begannen, sich für das angebotene Futter zu interessieren.
Im Alter von vier Wochen trennten wir die Muttertiere vom Nachwuchs und unterzogen die Jungtiere einer ersten Untersuchung. Die Geschlechter wurden bestimmt, das Gewicht wurde ermittelt und die Hamster erhielten einen Microchip zur individuellen Erkennung. Alle Junghamster hatten sich prächtig entwickelt. Erfreulicherweise setzten sich beide Würfe aus jeweils vier weiblichen und vier männlichen Hamstern zusammen.
Feldhamster Zuchtstation im Erlebnis-Zoo Hannover
Hamster Nachwuchs

Im Alter von sechs Wochen vereinzelten wir die Junghamster. Jeder Hamster bezog nun seine eigene Haltungseinrichtung.

Die
Auswilderung

Geplanter Zeitpunkt der Auswilderung

Ursprünglich war geplant, die ersten Feldhamster schon im Sommer 2025 auf der vorbereiteten Fläche zu entlassen. Damit die Feldhamster in der Wildbahn den Winter überstehen, sollten diese spätestens im August mit einem Gewicht von mindestens 250 g entlassen werden. Junge Hamster nehmen etwa in einem Monat 100 g zu. Unsere Jungtiere hätten erst im September das erforderliche Gewicht erreicht. Aus diesem Grund entschieden wir uns, unsere jungen Feldhamster bis zum Frühjahr 2026 in der Zuchtstation zu belassen. Nach dem Winterschlaf werden die Tiere im Frühsommer 2026 in die Calenberger Börde entlassen.

Erste Auswilderung im August 2025

Dennoch brachten wir im August 2025 die ersten Feldhamster auf die dafür vorgesehen Fläche. Bei den Tieren handelte es sich um drei weibliche und vier männliche Hamster. Zwei erwachsene männliche Hamster stammen aus dem Erlebnis-Zoo Hannover. Diese beiden Hamster werden für die Zucht in der Station nicht benötigt. Die übrigen Tiere stammten aus der Zuchtstation der Arbeitsgemeinschaft Feldhamsterschutz e.V..
Calenberger Börde
Hamster

Auswilderung in der Calenberger Börde

Die Auswilderungsfläche

Die Auswilderungsfläche umfasst die sogenannte Kernzone des Projektes. Auf der Fläche von 3 ha wurden verschiedene Blühpflanzen und Leguminosen eingesät, die den Hamstern als Nahrung dienen. Diese Fläche ist mit einem Elektrozaun geschützt, um das Eindringen von Prädatoren, wie dem Fuchs, zu verhindern.
Bevor die Hamster auf der Fläche entlassen werden, werden mittels Erdbohrer Gänge in den Boden getrieben. Diese Gänge dienen den Hamstern anfangs als Rückzugsmöglichkeiten.

Erste Freilassung und Hoffnung für die Zukunft

An einem wunderschönen Augusttag entließen wir zusammen mit der Projektleitung Frau Lipecki und den Vertretern der TenneT und Transnet BW die ersten Feldhamster unter medialem Interesse auf die Fläche. Die Hamster nahmen ihre Kunstbauten und das dargebotene Futter sofort an.
Bleibt zu hoffen, dass die ersten Tiere den Herbst und den Winter gut überstehen und diese dann gemeinsam mit den Tieren, die in den kommenden Jahren folgen werden, eine stabile Population dieses ganz besonderen Nagers aufbauen.

Der
Ausblick

Der Anfang ist gemacht.

Mit unserer Zuchtstation verfolgen wir das Ziel, in den kommenden Jahren regelmäßig Feldhamster zu züchten und diese auf den Projektflächen zu entlassen. Dort soll sich eine stabile Population entwickeln, die durch Abwanderung von Feldhamstern in die benachbarten Regionen auch die dort noch lebenden Hamsterpopulationen stützen. Hoffen wir, dass auch dieses Projekt dazu führt, dass über die Art der Nutzung von landwirtschaftlichen Flächen nachgedacht wird und mehr Landwirte ihre Felder hamsterfreundlich bewirtschaften. Viele andere Tierarten, die bei uns ebenfalls auf dem Rückzug sind, würden hiervon profitieren. 

Hamster im TV

Auch der NDR mit Hallo Niedersachsen berichtete über die Zuchtstation. Hier kommen Sie zur Reportage.

Zur Hallo Niedersachsen-Reportage