Feuersalamander im Amphibium

Aud den Spuren des
Feuersalamanders

Forschung & Wissenschaft

Neues Forschungsprojekt untersucht das Mikrobiom des bedrohten Lurches

Feuersalamander

Wie viele bin ich? – Dem verborgenen Mikrokosmos des Feuersalamanders auf der Spur 

Wenn man einem Feuersalamander begegnet – meist an einem kühlen, regnerischen Abend im Wald – wirkt er wie ein Wesen aus einer anderen Zeit. Schwarz glänzende Haut, leuchtend gelbe Flecken: ein kleines, urtümliches Amphibium, das seit Millionen Jahren unsere Wälder bewohnt. Doch so auffällig seine Farben auch sind – das eigentlich Faszinierende ist das, was wir nicht sehen können: sein Mikrobiom. 
Feuersalamander

Probenentnahme beim Feuersalamander

Das Mikrobiom, also die Gesamtheit aller Mikroorganismen, die einen Organismus besiedeln, bspw. Bakterien und Pilze, beeinflusst Gesundheit, Verhalten und Immunsystem aller Tiere – auch des Menschen. Doch jedes Tier ist anders und lebt in anderen Umwelten. Deshalb unterscheiden sich auch ihre Mikrobiome. Und genau hier beginnt die spannende Forschungsarbeit, die vom Erlebnis-Zoo Hannover gemeinsam mit der Artenschutzorganisation Citizen Conservation und den Universitäten Trier und Frankfurt gestartet wurde.
IUCR Vom Aussterben bedroht

Ein bedrohtes Waldtier mit besonderer Rolle in Hannover 

Der Feuersalamander (Salamandra salamandra) ist in Deutschland weit verbreitet – oder besser gesagt: ist es noch. Seit einigen Jahren bedroht ein aus Asien eingeschleppter Hautpilz namens Batrachochytrium salamandrivorans (Bsal) die Art massiv. In einigen Regionen, etwa in der Eifel und in Nordrhein-Westfalen, sind ganze Bestände nahezu verschwunden. Auf der globalen Roten Liste der IUCN wird er in der Kategorie „bedroht“ geführt und gilt nach dem Bundesnaturschutzgesetz (BNatSchG) in Deutschland als „besonders geschützt“. Die Haltung von Feuersalamandern in menschlicher Obhut dient als wichtiges Sicherheitsnetz, falls lokale Populationen in der Natur zusammenbrechen. 
Hannover soll zukünftig in der Schutzarbeit eine besondere Rolle spielen

Forschungsreferentin Kathrin Röper

Kathrin Röper
Eröffnung des neuen Amphibiums

Eröffnung Amphibium

Der Erlebnis-Zoo hält nicht nur eine der größten Feuersalamander-Bestände in Zoologischen Gärten Deutschlands, sondern widmet der Art seit 2024 einen wissenschaftlichen Schwerpunkt zur Erforschung und Erhaltung der Art. Der Auftakt dazu war die Eröffnung des Amphibiums und eine Fachtagung zum Feuersalamander im Frühjahr 2024. 

Ein Forschungsvorhaben mit einer einfachen Frage – und unglaublicher Komplexität 

Das neue Projekt trägt den Arbeitstitel:  „Wie viele bin ich? – Der Einfluss von Umwelt und Ernährung auf das Mikrobiom des Feuersalamanders.“
Der Titel beschreibt ein faszinierendes Phänomen: Ein Tier besteht nie nur aus sich selbst. Es ist ein wandelndes Ökosystem. Milliarden Mikroorganismen leben auf seiner Haut und in seinem Verdauungstrakt und beeinflussen beispielsweise, ob es gesund bleibt oder krank wird. 
Bei Säugetieren wurden diese inneren Lebensgemeinschaften bereits umfassend untersucht – besonders im Darm. Bei Amphibien dagegen konzentriert sich die
Forschung bisher vor allem auf die Haut, da sie eine zentrale Rolle bei der Atmung und der Immunabwehr spielt.
Uns interessiert vor allem, wie Haut- und Darmmikrobiom zusammenhängen und wie sich diese unter verschiedenen Bedingungen verändern

Kurator für Forschung und Zoologie bei Citizen Conservation, Dr. Johannes Penner

Dr. Johannes Penner
Feuersalamander zieht ein
Feuersalamander

Feuersalamander Zuchtstation im Erlebnis-Zoo Hannover

Warum ausgerechnet der Feuersalamander? 

Der Feuersalamander eignet sich für diese Forschung ideal:
  • Er wird seit Jahrzehnten in vielen Zoos und privaten Haltungen gepflegt, es gibt zahlreiche erfolgreiche Möglichkeiten dies zu tun:  von technisch sterilen Terrarien bis zu naturnahen, dicht bepflanzten Lebensräumen
  • Es gibt bereits erste Mikrobiom-Daten aus der Natur, an die das Projekt anknüpfen kann.  Damit erlaubt er einen einzigartigen Vergleich: Wie unterscheiden sich Tiere in menschlicher Obhut von wildlebenden? Und welche Faktoren – Futter, Klima, Substrat, Bepflanzung – beeinflussen ihr Mikrobiom am stärksten? 
Feuersalamander

Kathrin Röper und Dr. Johannes Penner im Amphibium, Erlebnis-Zoo Hannover

Ein Projekt über viele Grenzen hinweg 

Die Studie umfasst Zoologische Gärten in Deutschland, Österreich und der Schweiz, private und institutionelle Haltungen im Citizen-Conservation-Netzwerk und eine natürliche Population. Diese Bandbreite ist einzigartig. Sie ermöglicht erstmals den Blick auf einen Haltungsgradienten, der von kontrolliert-steril bis wild und naturbelassen reicht. 

 Das Forschungsteam möchte folgende zentrale Fragen beantworten: 

1
Wie unterschiedlich sind die Mikroorganismen auf der Haut und im Darm – und beeinflussen sie sich gegenseitig? 
Bei Amphibien wurde das noch nie umfassend untersucht. 
2
Welche Umweltfaktoren beeinflussen das Mikrobiom am stärksten? 
Sind es Futtertiere? Terrarien-Substrate? Wasserqualität? Temperatur? Oder andere Parameter?
3
Kann ein „gutes“ Mikrobiom vor Krankheiten schützen – vielleicht sogar vor Bsal? 
Ein gesundes, vielfältiges Hautmikrobiom könnte helfen, den Pilz abzuwehren. 
4
Was bedeutet das für den Artenschutz? 
    • erfolgreiche Wiederansiedlungen, 
    • dauerhaft funktionierende Zuchtprogramme, 
    • den Schutz der letzten stabilen Wildpopulationen.

Ein Blick in die Zukunft 

Derzeit wertet das Projektteam umfangreiche Fragebögen zu Haltung und Fütterung aus. Zudem wurden die Feuersalamander im Erlebnis-Zoo und weiteren ausgewählten Standorten vor der Winterruhe im Rahmen eines allgemeinen Gesundheitschecks beprobt. Die Analysen werden derzeit bei den Kooperationspartnern der Universitäten Trier und Frankfurt durchgeführt. 
Im besten Fall können wir am Ende nicht nur beschreiben, wie der unsichtbare Mikrokosmos des Feuersalamanders aussieht – sondern auch, wie wir ihn stärken können, damit dieses faszinierende Tier noch lange in unseren Wäldern leben kann. 
Amphibium

Kathrin Röper und Dr. Johannes Penner im Amphibium des Erlebnis-Zoos Hannover