Rotfuß-Seriema

Cariama cristata

Die Verwandtschaft ist dem Rotfuss-Seriema anzusehen. Die ältesten Vorfahren der Seriemas waren einst die Topräuber Südamerikas. Die sog. Terrorvögel waren bodenbewohnende Vögel mit einem großen Schädel und einer Gesamtgröße von 2 bis 3 Metern, die ihren Schnabel wie eine Axt benutzt haben sollen. So groß und gefährlich sind unsere Vögel jedoch nicht außer für Insekten und kleine Wirbeltiere, die zu ihrer Lieblingsnahrung zählen.

 

 

Steckbrief

Lebensraum
offene Waldgebiete, Buschland, Savannen, Grasland sowie Kultur- und Weideflächen

Größe
70 bis 90 cm

Brutzeit
24 bis 30 Tage

Nahrung
Insekten, Amphibien, Echsen, Schlangen, Nagetiere, Früchte und Baumharze

Gewicht
1300 bis 1500 g

Lebenserwartung
25 bis 31 Jahre (in menschlicher Obhut)

Feinde
Raubkatzen und große Greifvögel

 

 

Im Zoo neben den Halsband-Wehrvögeln

"Der Vogel ist nicht tot!"

Sobald die Sonne scheint, findet man Seriemas häufig auf der Seite liegend vor. Oft liegen die Vögel auch auf dem Rücken mit verdrehtem Körper und oftmals hochgeklappten Flügeln. Zudem sind ab und an die Schnäbel aufgerissenen, aus denen die Zunge schlaff heraushängt. Schockierend deutet alles darauf hin, dass dort ein toter Vogel liegt. Oft dauert es nicht lange bis sich besorgte Personen bei den Tierpfleger*innen melden, dass in der Voliere ein toter Vogel liegt. Aber keine Sorge, der Seriema nimmt nur ein arttypisches und ausgiebiges Sonnenbad, das mehrere Stunden dauern kann.

Anmutiges Gleiten

Seriemas sind eher schlechte Flieger. Der Rotfuss-Seriema zählt zu den größten vorwiegend am Boden lebenden Vögeln in Südamerika. Sie haben unbefiederte, sehr lange und schmale Beine. Wenn die Vögel nicht gestört werden, schleichen die Seriemas langsam durch ihr Territorium auf der Suche nach Nahrung. Bei Gefahr sind Rotfuss-Seriemas aber sehr schnelle Läufer und erreichen auf der Flucht eine Geschwindigkeit zwischen 25 bis 40 Stundenkilometer. Ihr Laufstil wird oft als ein "anmutiges Gleiten" beschrieben. Angeblich wurden auch schon bis zu 70 Stundenkilometer gemessen ...

Lautstarkes Geschrei

Seriemas haben zweifellos eine ungewöhnliche Stimme, die lautstark in den offenen Landschaften Südamerikas zu hören ist. Der ganze Ruf der Vögel ist eine lange Folge von sehr lauten, kläffenden Schreien in verschiedenen Variation in der Tonhöhe. Die Rufe werden als eine Mischung aus "Truthahn-ähnlich" und "Jaulen junger Hunde" beschrieben. Das merkwürdig klingende, laute Geschrei oder Geschnatter ist mehrere Kilometer weit zu hören. Dadurch zeigen die territorialen Seriemas anderen Vögeln ihrer Art, dass diese sich in ihrem Revier befinden.

Terrorvögel

Die ältesten Vorfahren der Seriemas waren seit dem Paleozän die Topräuber Südamerikas. Die sog. Terrorvögel (Phorusrhacidae) waren bodenbewohnende Vögel mit einem großen Schädel und einer Gesamtgröße von 2 bis 3 Metern. Die Terrorvögel sollen ihren Schnabel wie eine Axt benutzt haben. Sie verbissen sich nicht in ihrer Beute, sondern stießen und hackten immer wieder zu. Die Schädel der Terrorvögel waren viel fester als bei anderen Vogelarten sonst üblich. Hinzu hatten sie kräftige Halsmuskeln, die das Stoßen und Hacken verstärkten. 

Wächterfunktion

Rotfuss-Seriemas haben (noch) ein großes Verbreitungsgebiet in Südamerika und die Population ist seit Jahren stabil. Daher wird diese Vogelart als "nicht gefährdet" eingestuft (IUCN: 2021). Dennoch gibt es lokal Gefährdungen für den Rotfuss-Seriema durch Lebensraumverlust und Fragmentierung der Wälder. Hinzu werden sie von der Bevölkerung gefangen und als zusätzlicher Fleischlieferant, aber vor allem als Haustier gehalten. In ihrer Heimat werden handzahme Seriemas oft als "Wächter" eingesetzt: Wenn sich Raubtiere oder Schlangen nähern, warnen die Vögel davor mit ihren lauten Rufen.